Die Hütte „Gute Hoffnung“ und die Hütte „Neu-Essen“ in Sterkrade
Im 18. Jahrhundert ist das Ruhrgebiet in zahlreiche kleine Territorien aufgeteilt. Die vorherrschende Wirtschaftsauffassung der damaligen Zeit, der Merkantilismus, sieht für jeden selbständigen Kleinstaat eine weitgehend autarke wirtschaftliche Entwicklung vor. So sollen beispielsweise Rohstoffe im eigenen Land genutzt und verarbeitet werden.
Die erste Eisenhütte der Region, die St. Antony-Hütte, liegt auf dem Gebiet des Vestes Recklinghausen – regiert vom Erzbischof von Köln - in einem Dreiländereck direkt angrenzend an das Herzogtum Kleve (preußisch) und dem selbständigen Reichsstift Essen. Als sie in Betrieb geht, wird es auch für das benachbarte preußische Herzogtum Kleve interessant, eine Eisenhütte zu errichten.

Die Hütte Gute Hoffnung in (Oberhausen-)Sterkrade 1834, Grafik von Weeser-Krell
(Repro: Rheinisches Industriemuseum /LVR)
1782 nimmt die Hütte „Gute Hoffnung“ in Sterkrade ihren Betrieb auf, geleitet vom ehemaligen Pächter der St. Antony-Hütte, Eberhard Pfandhöfer. Die Hütte besteht aus Hochofen mit Windofen, Formerei, Kohlen- und Eisenerzmagazin. Es handelt sich um einen Holzkohlehochofen, dessen Gebläse – wie auch die Gebläse der St. Antony-Hütte - vom Elpenbach angetrieben wird. 1786 sind auf der Hütte 15 Arbeiter, 1794 80 Arbeiter beschäftigt.
Knapp zehn Jahre später geht 1791 auch im dritten Territorium der Nachbarschaft im Reichsstift Essen eine Eisenhütte mit dem Namen „Neu-Essen“ in Betrieb. Eigentümerin der an der Emscher gelegenen Hütte ist die Fürstäbtissin Kunigunde, die als Hüttenfaktor Gottlob Jacobi beschäftigt, dessen Vater die Sayner Hütte bei Koblenz leitete.
Damit existieren drei Hütten in unmittelbarer Nachbarschaft nur wenige Kilometern voneinander entfernt, die sich Erze und Brennstoffe streitig machen. Zwei Hütten nutzen sogar den gleichen Wasserlauf für den Antrieb der Gebläse. Die Konkurrenz der Hütten erzeugt Probleme bei der Produktion. Nach dem Tod des Gründers der St. Antony-Hütte, Franz Ferdinand von Wenge, verkaufen seine Erben die Hütte 1793 an die Fürstäbtissin von Essen, die sie zunächst verpachtet und später von ihrem Hüttenfaktor Jacobi betreiben lässt. Nach der Auflösung der geistlichen Territorien im Zuge der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts verkauft die Äbtissin 1805 ihre Anteile an beiden Hütten an die Brüder Franz und Gerhard Haniel, die gemeinsam mit Gottlob Jacobi die Hütte übernehmen. Die Hütte Gute Hoffnung ist inzwischen nach dem Konkurs von Pfandhöfer an die Familie Krupp aus Essen übergegangen, die sich jedoch aus der Roheisenerzeugung zurückziehen will. Die Witwe Helene Amalie Krupp verkauft 1808 die Hütte an den Schwager der Haniels Heinrich Huyssen, der die Hütte in ein gemeinsames Unternehmen einbringt. So werden 1810 unter dem neuen Firmennamen „Hüttengewerkschaft und Handlung Jacoby, Haniel und Huyssen“ alle drei Eisenhütten der Nachbarschaft zusammengeschlossen. Aus diesem Unternehmen entsteht später der Weltkonzern Gutehoffnungshütte.

Skizze des 1831 errichteten Hochofens auf der Hütte Gute Hoffnung in Sterkrade
(Repro: Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln)

Die Hütte Neu-Essen an der Emscher bei Oberhausen 1834, Grafik von Weeser-Krell
(Repro: Rheinisches Industriemuseum /LVR)
Eisenhütte von Jacobi, Haniel und Huyssen in Oberhausen 1864, Hoffotograf Herrmann Günther, Berlin
(Repro: Haniel-Archiv, Duisburg-Ruhrort)