Early Birthplaces

Explore the history of European blast furnaces from 1800

Die St. Antony Hütte in Osterfeld

Die erste Eisenhütte des Ruhrgebiets war die St. Antony-Hütte in Osterfeld, heute ein Ortsteil von Oberhausen. Am 25. Februar 1741 erhält der Münsteraner Domherr Franz Ferdinand von Wenge die Genehmigung Raseneisenerz im Vest Recklinghausen, ein zum Erzbistum Köln gehöriges Territorium, abzubauen. Am 13. Juli 1753 erlaubt der Erzbischof von Köln auch die Errichtung einer Eisenhütte am Elpenbach in Osterfeld. Nach 5 Jahren Bauzeit fließt am 18. Oktober 1758 erstmals Eisen aus dem hier errichteten Holzkohlehochofen. Das verhüttete Raseneisenerz kommt aus dem Vest Recklinghausen, die Holzkohle stammt aus den Wäldern der Umgebung. Produziert werden gusseiserne Produkte des täglichen Bedarfs wie Töpfe, Gewichte oder Öfen.

Die mangelnde Qualität der Produkte und Probleme bei der Versorgung mit Erz und Holzkohle führen immer wieder zu längeren Stillstandszeiten des Hochofens. Die auf der St. Antony-Hütte durchgeführten ersten Versuche im Ruhrgebiet, Erze mit teilweise entschwefelten Steinkohlen zu verhütten, scheitern in den 1770er Jahren. Als Hüttenmeister werden Fachleute aus anderen Regionen Deutschlands engagiert, in denen schon längere Zeit Eisengewinnung mit Holzkohlehochöfen betrieben wird. Aber erst in den 1780er Jahren wird der Hochofen profitabel.

Mehrfach werden auf St. Antony neue Hochöfen errichtet. 1804 beschreibt der preußische Fabriken-Commissarius Eversmann die St. Antony-Hütte als die in der Region einzig bemerkenswerte Hütte. Der Hochofen ist zu dieser Zeit 6,90 m hoch. Das Kastengebläse wird von einem 5,02 m hohen Wasserrad angetrieben. Am Hochofen arbeiten vier Mann (der Hüttenmeister, der Unter- oder Kleinschmelzer und zwei Aufgeber). Daneben waren beschäftigt: acht Sandformer, vier Putzjungen, ein Platenformer, neun Lehmformer, 16 Erzgräber, 32 Kohlenbrenner und Holzraider, zwei Putzknechte, vier Tagelöhner, insgesamt also 80 Personen. 1802 werden in der Kampagne 602.593 Pfund Gusswaren erzeugt. Zu diesem Zeitpunkt ist auch der erste Kupolofen der Region zum Umschmelzen des Eisens in Betrieb.

Geometrischer Grundriss der Bockemüle mit allen darin gelegenen Bau, Weide und Eichelnkampe, gemessen 1793 durch GW Strack senior. Ältester Lageplan mit der St. Antony-Hütte (Repro: Rheinisches Industriemuseum /LVR)

Zeichnung der Lage der St. Antony Eisenhütte von Baudirektor Lehmann, 18. November 1800
(Repro: Bezirksregierung Arnsberg)

Friedrich August Alexander Eversmann: Übersicht der Eisen- und Stahlerzeugung auf Wasserwerken in den Ländern zwischen Lahn und Lippe, Dortmund 1804, Titelblatt
(Repro: Rheinisches Industriemuseum /LVR)

1820 wird die St. Antony-Hütte erstmals stillgelegt. Nachdem eine Papierfabrik auf dem Gelände keinen Profit abwirft, wird 1827 wieder ein Hochofen in Betrieb genommen. Noch bis 1843 wird auf der Hütte Roheisen erschmolzen. Mehrfach wird der Hochofen erneuert. Ab 1844 ist auf dem Gelände eine Gießerei in Betrieb, die 1877 ihre Produktion einstellt. Fehlende Infrastruktur, eine zurückgehende Konjunktur und neue Technologien lassen die St. Antony-Hütte nicht mehr profitabel sein. Gleichwohl war die Wiege des Ruhrgebiets fast 120 Jahre in Betrieb.

Geschossabnahme auf der Gießerei St. Antony-Hütte 1864, Fotografie von Gustav Herthing
(Repro: Rheinisches Industriemuseum /LVR)

Parzellenkarte mit der Lage der Gebäude der St. Antony-Hütte ca. 1834
(Quelle: Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln, Repro: Rheinisches Industriemuseum /LVR)

Skizze des Hochofens auf der St. Antony-Hütte 1812/13 aus dem Skizzenbuch von Gottlob Jacobi (Repro: Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln)

Cuppolo-Ofen auf St. Antonie-Hütte, 1827
(Repro: Rheinisches Industriemuseum /LVR)

Abbildungen & Nummern-Verzeichniß von Eisenguss-Waaren welche Jacobi, Haniel & Huyssen auf den Eisenhütten Gutehoffnung & St. Antoni anfertigen laßen, ca. 1840 (Repro: Rheinisches Industriemuseum /LVR)

Produkte aus der Produktion der St. Antony-Hütte aus dem Produktkatalog von 1840
(Repro: Rheinisches Industriemuseum /LVR)